Die Verführung des Liegenbleibens

30. November 2010 Kommentare: 2

Morgen ist es wieder soweit. Sicherer als das Amen in der Kirche oder sicherer als dass Wham mit Last Christmas ein Monster erschaffen haben. Morgen früh wird es wieder passieren: ich bleib einfach liegen. Ich will gar nicht mehr die Versuche zählen, die guten Vorsätze, mit der ich mir den Wecker stelle. 6:00 Uhr sieht abends als eine angemessene Uhrzeit aus, mit der man mit mehr Zeit, sprich Ruhe, in den Tag kommen kann. Man könnte ja auch mal eine Runde an der Isar laufen. Hat ja früher beim Studium auch geklappt.

Was dann aber schon irgendwie mitschwingt, ist die Erkenntnis, dass es den Morgen zuvor auch nicht geklappt hat. Ferngesteuert geht die Hand zum Handy und stellt den Wecker eine Stunde weiter. Eine Stunde später wird beim zweiten Weckerklingeln im Halbschlaf berechnet, wie weit man das Aufstehen noch herausschieben kann – bis zu dem Zeitpunkt, dass man weiß, dass es nun Zeit wäre, also spätestens etwas nach 8 Uhr.

Aber warum kann man dem Körper nicht vorschwindeln, dass dieser kritische Zeitpunkt des Aufstehen-Müssens zwei Stunden früher wäre? Ist es der verstohlene Blick aus dem Fenster, der leichte Tropfen, Wind oder gar Schnee denkt ausmachen zu können? Der Fuß, der aus der Decke hervorlugte und relativ (sieges)sicher die gefühlte Kälte als Argument anbringt? Oder wäre es erfolgsversprechender, den Wecker im Wohnzimmer zu platzieren? Vollständig erklären kann ich es mir nicht – das Ritual wird weiter vollzogen, routiniert seit Monaten schon. Ob ein Ausbruch möglich ist? Wir sprechen uns morgen – mit großer Wahrscheinlichkeit nach acht Uhr.


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