No means no oder doch nicht?

12.05.2011 Kommentare: 0

PR ist Spin, hintertückisch und schlecht. Es gibt nur die eine PR und das ist die gerade eben beschriebene. Egal ob Marketing- oder Werbeagentur, bei schlechter News ist es eine PR-Agentur. Diese Verallgemeinerungen haben mich in den letzten Monaten immer wieder gestört. Gleichzeitig stelle ich mir auch die Frage, in welcher Branche ich eigentlich arbeite. Meine Branche soll nicht die sein, die gerade zu Recht als hinterlistig und manipulierend beschrieben wird. Die Geschichte rund um die amerikanische Netzwerkagentur Burson Marsteller, dem anfangs verheimlichten Kunden Facebook und dem Kampagnenziel Google tut der ganzen Branche keinen Gefallen.

Nur als Disclosure, ich arbeite bei Weber Shandwick in einer international tätigen PR-Netzwerkagentur. Um zu einem finalen Urteil zu dieser Geschichte zu kommen, fehlen mir viele wichtige Informationen. Ich kann nicht beurteilen, ob Facebook mit der klaren Intention an BM herangetreten ist, das Auftragsverhältnis zu verheimlichen.

Was ich aber für zentral halte ist die Einstellung der Agentur, des Beraters, der PR-Branche. So lange wir nicht nein sagen können, haben wir nichts dazu gelernt. So lange wir nicht lernen, auch bei einem wichtigen Kunden unsere Grundsätze einzuhalten, bleibt PR fragwürdig. Was in der Ausbildung ein immens wichtiger Bestandteil ist (bzw. sein sollte), sollte sich nahtlos im Berufsleben fortführen. Die Fähigkeit auch nein sagen zu können ist zu wichtig.

Von wem kann ein junger Volontär, eine junge Beraterin lernen, sich dem Kunden nicht willenlos unterzuordnen? Doch nur durch seniorige Mitglieder in der Agentur oder die Geschäftsführung, die es vorlebt und nicht nur wirtschaftliche Kriterien als Maßstab nimmt. Gerade hier erschüttert mich die Geschichte rund um Burson Marsteller und Facebook, da die genannten Personen langjährige Erfahrung haben. Ich hab das Gefühl, die Branche diskutiert und lebt diese Einstellung zu wenig vor. Der Kunde ist König, keine Frage. Aber erwartet nicht gerade der intelligente Kunde einen Berater, der einem schlechten Idee ausredet und bessere Szenarien entwirft?

Das Treiben der Promoter – wie Marken auf der re:publica agierten

03.05.2011 Kommentare: 0

Im Rahmen meiner Arbeit bei Weber Shandwick und natürlich auch meinem Besuch der rp11 haben wir bei uns im Agentur-Team ein kleines Paper zusammengestellt, von dem ich meinen Beitrag auch mal hier einstelle. Die kompletten Texte sind auch hier zu lesen.

Die Szene wirkte trist, die beteiligten Personen verloren. An den Unternehmensständen im Berliner Friedrichstadtpalast herrschte Tristesse. Marken im direkten Austausch mit den einflussreichen 3.000 Besuchern der re:publica, die zur deutschen Internet-Elite zählen – das war wohl der Wunsch.

Was dabei allerdings fehlte, war der Austausch zwischen den Anwesenden. Zu oft war der Besucherblick auf den eigenen Bildschirm gerichtet anstatt auf die Markenpräsentation. Nur wenige Besucher fanden den Weg zu den Ständen, nur selten kam es zum Nachhall im digitalen Raum. Das Resultat: eine verpasste Chance bei der Zielgruppe, die doch eigentlich als Startrampe für die breite Netzgemeinde dienen sollte.

Gilt also im fünften Jahr der re:publica immer noch, dass Marken sich bei der Kommunikation mit der Zielgruppe des Social Media-Events äußerst schwer tun?

Ein Beispiel, dass es doch klappt, war der Auftritt von Gunter Dueck, CTO von IBM. In seiner vielfach gelobten (und online wiederholten) Keynote traf er den Nerv der Besucher und sorgte somit auch gleichzeitig für einen Reputationsgewinn seines Arbeitgebers.

Ebenso geschickt verhielten sich die Verantwortlichen von Google und Netshelter. Sie initiierten beide mit Hilfe von etablierten Köpfen aus der Community (intern bzw. extern) exklusive Abendveranstaltungen. Der Mehrwert ergab sich hier beim direkten Austausch und Netzwerken, der Verfestigung der Online-Kontakte in der Offline-Welt. Beide Marken agierten als „Inline-Netzwerkknoten“ und schufen gleichzeitig soziale Verbindungen. Dass sie davon nur profitieren können, versteht sich von selbst.

Ähnliches Potential schlummert in den Aktivitäten, die vergleichbaren kommunikativen und „social“ Mehrwert bieten. So kämpfen die Veranstalter immer noch mit einer schnellen Video-Aufzeichnung aller Panels. Ebenso wollen unzählige Tweets, Blogpostings, Bilder und Checkins live visualisiert und auf einer Microsite gesammelt werden, um das Erlebte in einen Kontext zu bringen.

Um auf Veranstaltungen wie der re:publica sozialer im Sinne von „social“ zu sein, gibt es zahlreiche Gelegenheiten und kreative Lösungen. Wer allerdings heute noch versucht, via Promoter und Stand mit Influencern in Kontakt zu kommen, spielt online und offline in einer unterklassigen Liga.

Foto von Anja Pietsch/re:publica11 unter cc by 2.0

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