Rückblick 2005: Oh wie schön ist Panama

05. Januar 2014 Kommentare: 0

Der nachfolgende Artikel erschien 2005 im Magazin
life + science“ – ich habe den von mir verfassten Text noch einmal hier hervorgekramt.

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Sonntag, der 19.04.2005. Uhrzeit 16:14. Außentemperatur: 35 Grad. Höhe: Sechs Kilometer über dem Meeresspiegel. Position: in der Nähe von Costa Rica. Während des Fluges kreisen die Gedanken um das, was mir die nächsten drei Monate bringen werden. Drei Monate in Panama, von dem ich vorher nicht viel mehr wusste, als die Beschreibung eines Bären:

In Panama“, sagte er, „ist alles viel schöner, weißt du. Denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer Träume, Tiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama…

Was auf mich zukommt, sind drei Monate Leben und Wohnen im Wunschland von Janoschs Tiger und Bären – ein Praktikum in der Deutschen Botschaft in Panama-Stadt. Drei Monate Zentralamerika, Spanisch- Sprechen und unzählige neue Erfahrungen. Und doch sollten meine Erwartungen übertroffen werden – bei der Arbeit und im Alltagsleben.

Nach mehreren Bewerbungen bei deutschen Botschaften in Zentralamerika hatte ich schließlich die Zusage für Panama bekommen. Die einmalige Gelegenheit, in einem Urlaubssemester für drei Monate ein Praktikum zu absolvieren, und dazu noch im Ausland! Die Botschaftspraktika sind generell unbezahlt, über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gibt es aber die Möglichkeit eines Teilstipendiums.

Das Erste, was bei Verlassen des Flugzeuges auffällt, ist das Klima: schwül, feucht und heiß. Dank der Regenzeit gibt es in unregelmäßigen Abständen eine Dusche in Form von Regenschauern, die das deutsche Pendant als mittelmäßigen Nieselregen erscheinen lassen. Kurz nach Ende des Regens kehrt wieder Leben in die Stadt, Panama pulsiert wieder.

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Die Stadt mit den 1,3 Millionen Einwohnern macht knapp die Hälfte der Bevölkerung des Landes aus. Luxuriöse Hochhäuser und Vergnügungsviertel liegen einen Steinwurf weit entfernt von den Ärmsten der Armen. Die Stadt ist geprägt vom Finanzdistrikt – Panama hat eines der größten Bankenzentren und Steueroasen Zentralamerikas und macht einen ungebrochenen Bauboom durch, den bösartige Zungen auch der Nähe zum Nachbarn Kolumbien zuschreiben.

Das stört den Panameño aber nicht, einerseits lebhaft und temperamentvoll, andererseits entspannt und optimistisch arrangiert er sich mit den Unwägbarkeiten, die das Leben in Panama so mit sich bringt. Dies wirkt sich selbstverständlich auch auf die Arbeit in der Botschaft in einem Hochhaus im 20. Stock aus. Die Arbeitszeiten sind an das tropische Klima angepasst, doch selbst der Weg zu Fuß zur Botschaft um halb acht Uhr morgens lässt den ersten Schweiß aufkommen – der chaotische Verkehr und der inflationäre Gebrauch der Hupe erledigen den Rest.

Die Aufgaben eines Praktikanten in der Botschaft sind vielfältig, zu den täglichen Arbeiten gehört so z.B. die Aktualisierung des Zeitungsarchivs der Botschaft, die Lektüre der drei großen panamaischen Tageszeitungen inklusive. Eindeutige Highlights sind jedoch andere Aufgaben: das selbstständige Recherchieren und Verfassen von Berichtsentwürfen und Lageanalysen zu aktuellen Themen der panamaischen Politik, Wirtschaft und Kultur. Diese werden später im Namen des Botschafters an das Länderreferat im Auswärtigen Amt in Berlin geschickt. Oder aber die Teilnahme als Begleitung des Botschafters oder als alleiniger Botschaftsvertreter an Veranstaltungen auf dem „diplomatischen Parkett“, wo mal deutsche Präsenz, Anzug, Smalltalk und Rotwein-Trinken, mal genaues Zuhören und Notizen für spätere Berichte erforderlich sind.

Szenenwechsel. Der Gefängnishof des „La Joyita“ (zu deutsch „Kleinod“) flimmert in der Mittagshitze. Stärker könnte der Kontrast zu dem Glamour der Empfänge kaum sein. Es gilt, in panamaischen Gefängnissen einsitzende Deutsche zu besuchen. Die häufig wegen Drogenschmuggels verurteilten deutschen Staatsbürger werden während ihrer Haftstrafe von der Botschaft nach Kräften betreut. Dies ist auch bitter nötig, ohne die Hilfe von außen ist man in den völlig überfüllten, unmenschlichen Gefängnissen verloren.

Die Rückkehr in den Alltag nach einem Gefängnisbesuch fällt schwer. Doch spätestens am Wochenende, alleine oder mit meinen WG-Mitbewohnern aus Spanien, Frankreich und Deutschland zeigt mir Panama seine schönsten Seiten. Sei es auf dem Insel-Archipel San Blas an der Karibikküste, einem Campingausflug an der Pazifikküste oder einer Bootsfahrt durch den Panama-Kanal, die Hektik der Stadt ist vergessen – wenn es jetzt nur noch nach Bananen riechen würde…

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