Das Treiben der Promoter – wie Marken auf der re:publica agierten

03.05.2011 Kommentare: 0

Im Rahmen meiner Arbeit bei Weber Shandwick und natürlich auch meinem Besuch der rp11 haben wir bei uns im Agentur-Team ein kleines Paper zusammengestellt, von dem ich meinen Beitrag auch mal hier einstelle. Die kompletten Texte sind auch hier zu lesen.

Die Szene wirkte trist, die beteiligten Personen verloren. An den Unternehmensständen im Berliner Friedrichstadtpalast herrschte Tristesse. Marken im direkten Austausch mit den einflussreichen 3.000 Besuchern der re:publica, die zur deutschen Internet-Elite zählen – das war wohl der Wunsch.

Was dabei allerdings fehlte, war der Austausch zwischen den Anwesenden. Zu oft war der Besucherblick auf den eigenen Bildschirm gerichtet anstatt auf die Markenpräsentation. Nur wenige Besucher fanden den Weg zu den Ständen, nur selten kam es zum Nachhall im digitalen Raum. Das Resultat: eine verpasste Chance bei der Zielgruppe, die doch eigentlich als Startrampe für die breite Netzgemeinde dienen sollte.

Gilt also im fünften Jahr der re:publica immer noch, dass Marken sich bei der Kommunikation mit der Zielgruppe des Social Media-Events äußerst schwer tun?

Ein Beispiel, dass es doch klappt, war der Auftritt von Gunter Dueck, CTO von IBM. In seiner vielfach gelobten (und online wiederholten) Keynote traf er den Nerv der Besucher und sorgte somit auch gleichzeitig für einen Reputationsgewinn seines Arbeitgebers.

Ebenso geschickt verhielten sich die Verantwortlichen von Google und Netshelter. Sie initiierten beide mit Hilfe von etablierten Köpfen aus der Community (intern bzw. extern) exklusive Abendveranstaltungen. Der Mehrwert ergab sich hier beim direkten Austausch und Netzwerken, der Verfestigung der Online-Kontakte in der Offline-Welt. Beide Marken agierten als „Inline-Netzwerkknoten“ und schufen gleichzeitig soziale Verbindungen. Dass sie davon nur profitieren können, versteht sich von selbst.

Ähnliches Potential schlummert in den Aktivitäten, die vergleichbaren kommunikativen und „social“ Mehrwert bieten. So kämpfen die Veranstalter immer noch mit einer schnellen Video-Aufzeichnung aller Panels. Ebenso wollen unzählige Tweets, Blogpostings, Bilder und Checkins live visualisiert und auf einer Microsite gesammelt werden, um das Erlebte in einen Kontext zu bringen.

Um auf Veranstaltungen wie der re:publica sozialer im Sinne von „social“ zu sein, gibt es zahlreiche Gelegenheiten und kreative Lösungen. Wer allerdings heute noch versucht, via Promoter und Stand mit Influencern in Kontakt zu kommen, spielt online und offline in einer unterklassigen Liga.

Foto von Anja Pietsch/re:publica11 unter cc by 2.0

Ist taggen unhöflich?

19.04.2011 Kommentare: 0

Wo fängt im Netz, konkreter bei Facebook, eigentlich Höflichkeit an und wo ist man einfach nur zu vorsichtig? Bei meiner Arbeit haben wir unter den Kollegen eine interne Gruppe gegründet. Anfangs diente sie nur dazu, die Funktionalitäten auszutesten, inzwischen werden ab und zu Fotos der einzelnen Standorte und Mitarbeiter gepostet. Da viele noch nicht die anderen Büros oder neue Mitarbeiter kennen, sicherlich ganz interessant.

Nachdem ich kürzlich ein Foto unseres Büros mit vier Kolleginnen hochgeladen hatte, kam die Nachfrage, wer die Personen seien. Im Kommentarfeld schrieb ich klassisch: „vnlr: XX, YZ, ZZ“. Darauf kam der Hinweis an mich, (den Digi) dass das doch auch anders gehe. Zum Hintergrund: mit zwei der Kolleginnnen war ich gerade 10 Minuten befreundet – ein taggen der Personen auf dem Foto unmittelbar danach erschien unhöflich. Sehe ich das zu eng? Ich denke nicht.

Gerade kürzlich ging bei Facebook wieder ein Spamlink rum, der die Freunde auch gleich noch auf Fotos taggte und zu Events einlud (Stichwort „Profilbesucher“). Ebenso sehe ich es als guten Ton an, meinen Freunden die Entscheidung zu überlassen, ob sie getaggt sind oder nicht. Schließlich würde ich auch nicht nach einem Kennenlernen sie am Tag darauf bitten, in ihr Poesiealbum schreiben zu dürfen. Ok, weniger gelungener Vergleich. Vielleicht besser: würde ich mich auch nicht gleich zu ihrer Party selber einladen. Oder seh ich das wie der Hausbesitzer einfach zu eng und ist das taggen (wie im Grafitti-Sinne) inzwischen Teil der Kultur?

re:publica 2011 Stundenplan

12.04.2011 Kommentare: 1

Es ist wieder soweit, die re:publica 2011 steht vor der Tür. Start ist der 13. April, für mich geht es am Donnerstag mit dem los, was mancher „Klassentreffen“, „Nerdevent“, Kombination von „schmierigen Social Media Experten und justamenter Twitterprominenz“ (Wortlaut von Amy&Pink) nennt. Und ich muss sagen, ich freu mich. Was werde ich mir Donnerstag und Freitag anschauen? Ich plan mit folgendem (chronologisch sortiert):

Donnerstag, 14.04.2011

Freitag, 15.04.2011

Bei einigen Panels hab ich mich noch nicht entschlossen, das wird dann wohl eher spontan. Bisher eher definitiv ist der Donnerstag Abend, da sag ich sogar selber was auf dem Panel, das Alexander Endl ins Leben gerufen hat. Und zwar in der Funktion der Randgruppe des „Social Media Experten“, um in der Sprache von Amy & Pink zu bleiben. Ob auch schmierig, würde ich bezweifeln, aber das sollen andere beurteilen :) Natürlich besteht die rp11 nicht nur aus Panels, vieles was sie ausmacht sind die unzähligen Gespräche, auf die ich mich auch sehr freue.

Insofern, man sieht sich auf der #rp11!

Geheimnis eines Samples

29.03.2011 Kommentare: 0

Ich hab es lange nicht gewusst, aber vor kurzem wurde anscheinend eines der großen Rätsel der HipHop-Musik gelöst. Worum geht es? Um das Sampling. Schon früh bedienten sich Künstler wie die Sugarhill Gang kurzer Sequenzen anderer Lieder – in diesem Fall Chics „Good Times“ – und verwendeten sie in ihren eigenen Liedern. Wer wie ich durch den Eastcoast HipHop der 90er audiophil geprägt wurde, erinnert sich an viele Sampling-Klassiker. Sei es der Wu-Tang Clan mit seinen völlig neuartigen Samples, DJ Premier mit Jazz-Samples oder Pete Rock mit immer wieder neuen Klangperlen. Auch wenn Sampling nicht unumstritten ist, die Hommages an Soul, Funk und Jazz haben mir diese Musikstile erst erschlossen.

Bei einem der populärsten und eingängigsten HipHop-Produktionen, Mobb Deeps „Shook Ones Part II“ waren sich die Kenner lange unschlüssig, welches Sample verwendet wurde. Foreneinträge bei soulstrut.com und the-breaks.com liefern erst jetzt, 16 Jahre nach Veröffentlichung, eine Auflösung des Samples. Bei der Hartnäckigkeit der Sampling-Szene eine beachtliche Zeit. Bei dem Piano-Sample handelt es sich um Herbie Hancocks „Jessica“ vom 1968 Album Fat Albert Rotunda. Das YouTube-Video spricht für sich. Gänsehaut.


via TTL ECE blog

Und ich sag langsam und leise tschüß.

22.02.2011 Kommentare: 0

Seit einiger Zeit ist es nicht mehr wie früher. Das, was es früher ausgemacht hat, ist weg. Ich bin nicht mehr heiß auf’s Spielen, das Training und den Wettkampf. Was früher für mich die ideale Möglichkeit war abzuschalten, sich stupide auf einen kleinen, sich rasend schnell nähernden Zelluloidball zu konzentrieren, anderes auszublenden, ist heute etwas Gleichgültigem gewichen.

In der Nachbetrachtung ist es mehr als schade, dass ich es nicht mehr schaffe, den täglichen Streß mit diesem Ausgleich hinter mir zu lassen, wie es mir früher immer gelungen ist. Wie trennt man sich von so etwas, was mehr als 18 Jahre ein fester Bestandteil und Routine einer Person war? Unzählige Stunden Systemtraining, Beinarbeitsübungen, Lehrgänge, Kaderübungen, Turniere, Punktspiele, Frischklebungen, Siege und Niederlagen.

Ein Jahr Abstand und Pause sollten eigentlich helfen. Nun habe ich es wieder versucht, für die aktuelle Saison. Leider fühle ich die Gleichgültigkeit nur verstärkt. Vielleicht hilft ein Neuanfang zu gegebener Zeit in anderer Umgebung, die Leere beim Spiel zu vertreiben. So macht’s aber kein Sinn. So verdrehen sich mehr als 18 Jahre in die Eindrücke der letzten zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen es nicht mehr ist, was es eigentlich sein sollte: Spaß, Ausgleich und einfach nur spielen.

Foto von Songkran unter CC byncsa20

Las Vegas

12.01.2011 Kommentare: 4

Ich packe meine Sachen…

01.01.2011 Kommentare: 1

Nächsten Montag flieg ich für eine Woche für die Arbeit nach Las Vegas. Die CES ruft. Ich hab mir jetzt gerade mal mein Handgepäck zusammengesucht – das sollte doch eigentlich reichen, oder? Ziemlich viel Elektronik-Krams – was mir noch fehlt, ist was gutes zum Lesen…

Wikileaks: wann werden endlich meine Depeschen veröffentlicht?!

12.12.2010 Kommentare: 1

Nachdem Wikileaks jetzt Ende November die Depeschen amerikanischer Botschaften veröffentlicht hat, ist die Aufregung groß. Da wurden Geheimnisse veröffentlicht, Botschafter ließen sich zynisch und herablassend über Politiker und Länder aus – welch ein Skandal! Der Spiegel machte mit prominenten Politikern auf, jeder hat sein Fett abbekommen. Leider aber der falsche Aufmacher.

Warum? Dafür muss ich etwas ausholen. Vom April bis Juli 2006 hatte ich das große Glück, ein Praktikum in der Deutschen Botschaft in Panama absolvieren zu können. In der eher überschaubaren Botschaft bekam man gute Einblicke in die konsularische und politische Arbeit des Hauses. Der Spagat zwischen der Betreuung deutscher Gefängnisinsassen und diplomatischen Empfängen war groß. Was ich aber hervorheben möchte: wenn wir Lageberichte und Einschätzungen schrieben, gab es folgende Quellen: Gespräche, Erfahrungen und immer wieder gerne: die Medien des Landes.

Hier lassen sich Praktikanten (ohne diese bzw. mich abwerten zu wollen) und andere Botschaftsmitarbeiter bei ihren Einschätzungen von der Presse leiten, der Botschafter setzt sein Kürzel darunter, das Ganze geht ans AA. Irgendwo schon ein Sack Reis umgefallen? Und weiter gefragt: wenn es so im deutschen Auswärtigen Dienst abläuft, warum sollten nicht auch die Amerikaner das wiederkauen, was beispielsweise in der deutschen Presse über Westerwelle abgelästert wird? Viel interessanter wird es doch erst, wenn wirkliche Probleme aus Krisenregionen thematisiert werden. Nur damit hat der Spiegel nicht aufgemacht. Da hätten sie meine Lageberichte zur Reform der Sozialversicherung und Gewerkschaftsstreiks gleich mitveröffentlichen können – die Brisanz ist ähnlich gering.

Die Verführung des Liegenbleibens

30.11.2010 Kommentare: 2

Morgen ist es wieder soweit. Sicherer als das Amen in der Kirche oder sicherer als dass Wham mit Last Christmas ein Monster erschaffen haben. Morgen früh wird es wieder passieren: ich bleib einfach liegen. Ich will gar nicht mehr die Versuche zählen, die guten Vorsätze, mit der ich mir den Wecker stelle. 6:00 Uhr sieht abends als eine angemessene Uhrzeit aus, mit der man mit mehr Zeit, sprich Ruhe, in den Tag kommen kann. Man könnte ja auch mal eine Runde an der Isar laufen. Hat ja früher beim Studium auch geklappt.

Was dann aber schon irgendwie mitschwingt, ist die Erkenntnis, dass es den Morgen zuvor auch nicht geklappt hat. Ferngesteuert geht die Hand zum Handy und stellt den Wecker eine Stunde weiter. Eine Stunde später wird beim zweiten Weckerklingeln im Halbschlaf berechnet, wie weit man das Aufstehen noch herausschieben kann – bis zu dem Zeitpunkt, dass man weiß, dass es nun Zeit wäre, also spätestens etwas nach 8 Uhr.

Aber warum kann man dem Körper nicht vorschwindeln, dass dieser kritische Zeitpunkt des Aufstehen-Müssens zwei Stunden früher wäre? Ist es der verstohlene Blick aus dem Fenster, der leichte Tropfen, Wind oder gar Schnee denkt ausmachen zu können? Der Fuß, der aus der Decke hervorlugte und relativ (sieges)sicher die gefühlte Kälte als Argument anbringt? Oder wäre es erfolgsversprechender, den Wecker im Wohnzimmer zu platzieren? Vollständig erklären kann ich es mir nicht – das Ritual wird weiter vollzogen, routiniert seit Monaten schon. Ob ein Ausbruch möglich ist? Wir sprechen uns morgen – mit großer Wahrscheinlichkeit nach acht Uhr.

Streetart im Underground – The Underbelly Project

04.11.2010 Kommentare: 0

Es gibt Geschichten, bei denen weiß man schon nach den ersten Zeilen, dass sie zu gut sind, nicht darüber zu bloggen. Auch wenn andere schon darüber geschrieben haben. Das New Yorker Streetart-Projekt „The Underbelly Project“ ist so etwas.

Circa 2009 soll hier das bisher geheimgehaltene Projekt gestartet worden sein und zwar nicht in irgendeiner Location, sondern in einer anscheinend bisher unentdeckten Subway-Station. Sprichwörtlich ungenutzt, vier Stockwerke unter der Erde. Künstlern wurde der Zutritt für eine Nacht gewährt, am Ende der Aktion wurde der Zugang wieder entfernt. Die Geschichte, Ort und Aktivtitäten in der Subway-Station blieb unter wenigen Eingeweihten, bis die New York Times dort hingeführt wurde und einen Artikel dazu brachte. Anbei ein paar Bilder aus dem Blog von Luna.

Many thanks to Luna for the pics!

via Berlin based Streetart