Ich möchte Sie zum Beitritt in mein berufliches Netzwerk…argh…wtf?

24.10.2011 Kommentare: 0

Ich verstehe es echt nicht. Gab es nicht mal einen Grundkonsens, dass Social Media etwas mit Gesprächen, Austausch und doch irgendwie mit Nähe zu tun hat? Ich bin fast schon verzweifelt, fassungslos und irgendwie resigniert, wenn ich ab und zu von Linkedin Mails bekomme. Der Grund: seitdem Linkedin sich auch in Deutschland einigermaßen etabliert hat, nimmt die Anzahl der Kontaktanfragen doch zu. Und immer häufiger gibt es folgende Anrede:

Ich möchte Sie zum Beitritt in mein berufliches Netzwerk auf LinkedIn einladen.

Ein Musterbeispiel für eine Ansprache, die Nähe und gute Vorstellung wiederspiegelt. Das Traurige daran: Immer häufiger kommen diese Standard-Anfragen von Leuten, die ich a) überhaupt nicht kenne und b) (noch schlimmer) auch noch irgendwie was mit Social Media machen. Sollte man nicht gerade dort ein Gefühl dafür entwickelt haben, dass es mit ein paar persönlichen Worten wesentlich einfacher fällt, mit anderen Leuten im digitalen Raum in Kontakt zu kommen?

Ich muss dazu hinzufügen, dass mein internationales Netzwerk bisher aufgrund meiner Arbeit eher deutsch orientiert ist und die meisten internationalen Kontakte aus meiner Agentur stammen. Ich verspüre nicht den Zwang, ein möglichst breites Netzwerk und Anzahl von Kontakten internationaler Güte vorweisen zu können. Vielleicht liegt der Grund für solche Anfragen darin, dass es inzwischen doch irgendwie chic in der Beraterbranche geworden ist, ein großes Netzwerk vorzuweisen und da grast man halt alles ab. Das ist ja auch legitim, aber kann man sich nicht die Mühe machen, einen kurzen Grund mit hinzuzufügen? Ob sich mit diesen Standard-Texten Linkedin einen Gefallen tut, wag ich übrigens auch bezweifeln.

re:publica 2011 Stundenplan

12.04.2011 Kommentare: 1

Es ist wieder soweit, die re:publica 2011 steht vor der Tür. Start ist der 13. April, für mich geht es am Donnerstag mit dem los, was mancher „Klassentreffen“, „Nerdevent“, Kombination von „schmierigen Social Media Experten und justamenter Twitterprominenz“ (Wortlaut von Amy&Pink) nennt. Und ich muss sagen, ich freu mich. Was werde ich mir Donnerstag und Freitag anschauen? Ich plan mit folgendem (chronologisch sortiert):

Donnerstag, 14.04.2011

Freitag, 15.04.2011

Bei einigen Panels hab ich mich noch nicht entschlossen, das wird dann wohl eher spontan. Bisher eher definitiv ist der Donnerstag Abend, da sag ich sogar selber was auf dem Panel, das Alexander Endl ins Leben gerufen hat. Und zwar in der Funktion der Randgruppe des „Social Media Experten“, um in der Sprache von Amy & Pink zu bleiben. Ob auch schmierig, würde ich bezweifeln, aber das sollen andere beurteilen :) Natürlich besteht die rp11 nicht nur aus Panels, vieles was sie ausmacht sind die unzähligen Gespräche, auf die ich mich auch sehr freue.

Insofern, man sieht sich auf der #rp11!

„Vielen Dank, aber nein. Wir sind nicht die Richtigen für Sie.“

11.08.2010 Kommentare: 0

Wie schön es sein könnte. Es bedarf nicht vieler Worte, die könnten dann aber umso ehrlicher und aufrichtiger sein.

„Vielen Dank für Ihr Interesse, aber nein. Wir sind nicht interessiert. Und wenn Sie ehrlich zu sich sind, sehen Sie, dass wir nicht die Richtigen für Sie sind. Derzeit haben wir unsere Neugeschäftsaktivitäten anderweitig fokussiert.“

Worum es mir geht? Um den sich wiederholenden Prozess des Neugeschäfts in der Agenturlandschaft, gerade mit Blick auf die Social Media-Sphäre. Der Anfang ist meist gleich: Ein Etat wird aufgrund neuer Produkte/Kampagnen ausgeschrieben oder man ist mit der derzeitigen Agentur nicht mehr zufrieden. Äußerst legitim. Es sichert Umsatz und auch meine Anstellung.

Nur beginnt hier ein Problem. Die nächsten Schritte sind häufig eingefahren: Es bleiben ca. zwei Wochen bis zur Abgabe des Konzepts. Welches idealerweise die neuen Medienlandschaften in Betracht ziehen sollte und Zielgruppen entsprechend einbindet. Dialoge initiiert, authentisch kommuniziert, etc. Jede Agentur dürfte hier eigene Wege gefunden haben, ein Konzept zu erarbeiten. Was sie eint sind die grundlegenden Recherchen, in der analogen und digitalen Medienlandschaft.

Und wo genau ist da jetzt das Problem? In der Herausforderung, innerhalb kürzester Zeit fundierte Aussagen über den digitalen Raum, dessen Einstellungen zur Marke, mögliche kulturelle Eigenschaften und Insights für die eigene Kampagne herauszufinden. Also gilt es, möglichst viele Daten zu Insights zu verdichten. Der digitale Raum mag sich zwar schnell bewegen, aber seien wir ehrlich: Hätten wir nicht ein besseres Gefühl, genau diese Materie schon über mehrere Monate verfolgt zu haben? Und wäre für mich als Unternehmen eine Agentur nicht viel interessanter, die an mich herantritt und sagt:

„Guten Tag. Wir beobachten seit geraumer Zeit Ihr Unternehmen mit großem Interesse. Unser  Monitoring, Analyse und Begeisterung für das Thema haben uns gezeigt, dass Sie in Ihrer digitalen Kommunikation in den Bereichen XY und YZ noch großes Potential haben. Gleichzeitig sind wir uns sicher,  Sie in Ihrem Bestreben, über klassische Medien Ihre Zielgruppen zu erreichen, ebenso helfen zu können. Wir haben da ein paar Ideen vorbereitet…“

Verlange ich da zu viel und könnten Agenturen mit so einer Denke gleich zumachen?

Digitale Ent(h/f)altung

26.03.2010 Kommentare: 0

Ist das eigentlich noch normal? Jeden Monat gibt es neue digitale Krisen, deren Nachhall durch Blogs und Tweets klingt. Substantiell? Vielleicht eher selbstreferentiell. Es erscheint mir, als geht es um Rankings und Meinungsführerschaft. Es ist sicherlich das Recht jedes Einzelnen, sich auf seine Weise selber zu entfalten – es besteht nun mal kein Lesezwang und überhaupt: jedem Tierchen sein Pläsierchen. Was ich aber auf der anderen Seite immer mehr zu schätzen lerne, ist das Gegenteil: Enthaltung.

Das mag vielleicht am Naturell eines Norddeutschen liegen, ich bin ein großer Anhänger von Understatement. Was gibt es ehrlicheres als die Fähigkeit, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und andere erst nach einiger Zeit zu überraschen (vielleicht dafür sogar nachhaltiger?). Viele würden jetzt sagen, dass PR diesem diametral gegenübersteht. Sie mögen vielleicht Recht haben, dazu bin ich noch nicht lange genug dabei. Aber warum muss es immer das offensichtliche sein, das direkte Aufspringen auf Krisen, Fehltritte und Skandälchen um die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen? Sicherlich ist das eine Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen und auch legitim, aber dann doch bitte mit etwas mehr Geist und Substanz.

Der Ablauf: man liest die ersten Meldungen von neuen Worst Cases, heißen Diskussion oder digitaler „corporate #fails“. Es dauert eine zweistellige Anzahl von Retweets und die ersten Postings stehen. Wie sind da Einblicke in das Innenleben einer Krise möglich? Die vehement eingeforderte langfristige Ausrichtung von Social Media findet hier keine Anwendung, es geht offensichtlich schlicht um Geschwindigkeit. Bezeichnend die Dominanz von all den #fails, wo sind die positiven Cases dieser Welt, die in der Tiefe analysiert werden? Und nein, hier reichen keine vier Screenshots von 140-Zeichen-Meldungen aus. Hier klaffen Anspruch und Wahrheit viel zu oft auseinander. Und das ist gerade bei dem ganzen Gerangel um die vorderen Plätze so enttäuschend, weil Potential und Entwicklungschancen verspielt werden. Anstatt sich zu entfalten, stagniert die Entwicklung von Social Media im Agentur-Umfeld.

Ich ertappe mich dabei, wie ich dem gleichgültiger gegenüber werde und ich meine privaten Interessen in andere Bereiche des Webs verlagere, die mit Kreativität und Witz überzeugen. Oder schlicht in anderen Länder-Regionen stattfinden. Und ich merke, wie ich die Enthaltung und gleichzeitig breiteren Interessenshorizont anderer (die in der gleichen Branche arbeiten) immer mehr schätzen lerne. Ohne Namen zu nennen, danke dafür!

Was #jako gezeigt hat

07.09.2009 Kommentare: 4

Zu den eigentlichen Geschehnissen rund um Trainer Baade und Jako möchte ich eigentlich nicht viel sagen, die Geschichte wurde von vielen Blogs von allen möglichen Seiten beleuchtet. Auch von vielen Blogs aus der PR-Branche, immer mit dem Hinweis eines worst practices.

Was ich dabei aber immer noch nicht verstehe und hinterfrage ist die immer wieder getroffene Aussage (hier und hier als Beispiel), bei dem Fußballblog von Frank Baade handele es sich um einen unbekannten Blog, der ähnlich wie Jako vorher keine Bedeutung im Social Web hatte.

Es geht mir hier nicht um Besserwisserei, aber das sind Aussagen, die sich einreihen in die Zitate anderer Blogger (dokumentiert hier) – sie sind schlicht falsch. Zwar mag es sinnvoll sein, die Nennungen der beiden Beteiligten per Social Media Monitoring zu messen, danach dann aber zu so einer Aussage („Schön zu sehen, dass sowohl Baade (grün) als auch Jako (blau) vor dem Vorfall keinerlei Bedeutung in den Social Media hatten.“) zu kommen, verstehe ich nicht. Es sei denn, einziger Indikator für die Bedeutung eines Blogs sind Page Impressions und Inbound Links. Das bezweifele ich aber.

Was könnte ein weiterer Indikator für die Bedeutung von Trainer Baade sein? Ich kenne die Einflußfaktoren des Cision-Rankings der Top 10 Sportblogs nicht, aber ich nehme mal an, dass das Ranking aus einem Index mit Inbound-Links, Frequenz und Länge der Postings/Kommentare, Hits für Keywords sowie Google Page Rank/Technorati Authority zusammengesetzt wird. Trainer Baade jedenfalls landet da auf Platz 7.

Vielleicht ein weiteres Indiz könnte die Anzahl anderer Fußball-Blogger sein, die den Blog von Trainer Baade lesen bzw. persönlich kennen. Alle hier aufzulisten, finde ich nicht so sinnvoll, also bleiben wir bei dem Cision-Ranking:  Von mehr als der Hälfte kann ich sagen, dass sie bereits vorher Frank Baade kannten (mehr dazu im Disclosure weiter unten).

Schon seit einiger Zeit haben mehrere Fußball-Blogger nach Initiative von Probek ein eigenes mixxt-Netzwerk aufgebaut. Auch hier kenne ich die Inhalte nicht, gehe aber davon aus, dass die Abmahnung dort ausführlich diskutiert wurde (etwas ähnliches steht hier) – bevor Kai Pahl den Stein ins Rollen brachte.

Wenn also hervorgehoben wird, dass die Causa Baade-Jako ein zukünftiges Lehrbeispiel für Negativ-PR sein wird, dann stimmt das zwar, aber die Rolle der Blogosphäre ist falsch bewertet. Es stimmt zwar, dass die Geschichte durch die Berichte größerer Blogs an Dynamik gewonnen hat, für das wichtige Grundrauschen hat aber die solidarische Fußball-Blogosphäre per Blogpostings und Twitter gesorgt.

Das Beispiel von Trainer Baade und seine angebliche Unbekanntheit zeigt schön, dass sich unter der Reihe der dominierenden Blogs viele kleine eigene Blogosphären entwickelt haben, die stark vernetzt sein können. Und weiterhin von großen Teilen mißachtet werden oder unbekannt sind. Das ist keine Aufforderungen zur Zwangsaufnahme in den RSS-Reader. Aber wenn Statements über das Verhältnis zwischen Unternehmen und Blogosphäre gemacht werden, dann sollte die Rolle der beteiligten Gruppen richtig eingeschätz werden.

Disclosure: Im Rahmen meiner Arbeit hatte ich im März 2009 für Microsoft und der Deutschen Telekom 25 Fußball-Blogger zu einem Blogger-Event nach München eingeladen. Unter den Teilnehmern waren auch Frank Baade, Kai Pahl und die Autoren der oben erwähnten Blogs breitnigge.de, dugehstniemalsallein.de und soccerwarriors.de (fritten, fußball & bier).

Wo bin ich?

Du browst gerade die Einträge mit dem Tag social media auf smartondemand.