Was #jako gezeigt hat

September 7th, 2009 § 4 comments § permalink

Zu den eigentlichen Geschehnissen rund um Trainer Baade und Jako möchte ich eigentlich nicht viel sagen, die Geschichte wurde von vielen Blogs von allen möglichen Seiten beleuchtet. Auch von vielen Blogs aus der PR-Branche, immer mit dem Hinweis eines worst practices.

Was ich dabei aber immer noch nicht verstehe und hinterfrage ist die immer wieder getroffene Aussage (hier und hier als Beispiel), bei dem Fußballblog von Frank Baade handele es sich um einen unbekannten Blog, der ähnlich wie Jako vorher keine Bedeutung im Social Web hatte.

Es geht mir hier nicht um Besserwisserei, aber das sind Aussagen, die sich einreihen in die Zitate anderer Blogger (dokumentiert hier) – sie sind schlicht falsch. Zwar mag es sinnvoll sein, die Nennungen der beiden Beteiligten per Social Media Monitoring zu messen, danach dann aber zu so einer Aussage („Schön zu sehen, dass sowohl Baade (grün) als auch Jako (blau) vor dem Vorfall keinerlei Bedeutung in den Social Media hatten.“) zu kommen, verstehe ich nicht. Es sei denn, einziger Indikator für die Bedeutung eines Blogs sind Page Impressions und Inbound Links. Das bezweifele ich aber.

Was könnte ein weiterer Indikator für die Bedeutung von Trainer Baade sein? Ich kenne die Einflußfaktoren des Cision-Rankings der Top 10 Sportblogs nicht, aber ich nehme mal an, dass das Ranking aus einem Index mit Inbound-Links, Frequenz und Länge der Postings/Kommentare, Hits für Keywords sowie Google Page Rank/Technorati Authority zusammengesetzt wird. Trainer Baade jedenfalls landet da auf Platz 7.

Vielleicht ein weiteres Indiz könnte die Anzahl anderer Fußball-Blogger sein, die den Blog von Trainer Baade lesen bzw. persönlich kennen. Alle hier aufzulisten, finde ich nicht so sinnvoll, also bleiben wir bei dem Cision-Ranking:  Von mehr als der Hälfte kann ich sagen, dass sie bereits vorher Frank Baade kannten (mehr dazu im Disclosure weiter unten).

Schon seit einiger Zeit haben mehrere Fußball-Blogger nach Initiative von Probek ein eigenes mixxt-Netzwerk aufgebaut. Auch hier kenne ich die Inhalte nicht, gehe aber davon aus, dass die Abmahnung dort ausführlich diskutiert wurde (etwas ähnliches steht hier) – bevor Kai Pahl den Stein ins Rollen brachte.

Wenn also hervorgehoben wird, dass die Causa Baade-Jako ein zukünftiges Lehrbeispiel für Negativ-PR sein wird, dann stimmt das zwar, aber die Rolle der Blogosphäre ist falsch bewertet. Es stimmt zwar, dass die Geschichte durch die Berichte größerer Blogs an Dynamik gewonnen hat, für das wichtige Grundrauschen hat aber die solidarische Fußball-Blogosphäre per Blogpostings und Twitter gesorgt.

Das Beispiel von Trainer Baade und seine angebliche Unbekanntheit zeigt schön, dass sich unter der Reihe der dominierenden Blogs viele kleine eigene Blogosphären entwickelt haben, die stark vernetzt sein können. Und weiterhin von großen Teilen mißachtet werden oder unbekannt sind. Das ist keine Aufforderungen zur Zwangsaufnahme in den RSS-Reader. Aber wenn Statements über das Verhältnis zwischen Unternehmen und Blogosphäre gemacht werden, dann sollte die Rolle der beteiligten Gruppen richtig eingeschätz werden.

Disclosure: Im Rahmen meiner Arbeit hatte ich im März 2009 für Microsoft und der Deutschen Telekom 25 Fußball-Blogger zu einem Blogger-Event nach München eingeladen. Unter den Teilnehmern waren auch Frank Baade, Kai Pahl und die Autoren der oben erwähnten Blogs breitnigge.de, dugehstniemalsallein.de und soccerwarriors.de (fritten, fußball & bier).